Sie Weihnachtsmann, Sie!

Veröffentlicht: Januar 3, 2012 in aktuelle Themen
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Meine sehr geehrten Damen bis Herren.

Ich hoffe, dass Sie schon in 2012 angekommen sind.

Das ganze „Guten Rutsch“ Geseier erspare ich mir mal an dieser Stelle, denn in etwas rein rutschen werden Sie und ich dieses Jahr eh noch früh genug.

Wir rutschen doch alle ganz gerne. Huiiiiiiii, wir rutschen! Wie schön.

Wir rutschen ins neue Jahr, in Krisen, in den nächsten und wohl finalen Atomkrieg, in Arbeitslosigkeit, in die Schuldenfalle, Männer in Frauen, in alltägliche Beliebigkeit und die damit verbundene Perspektivlosigkeit und auf Knien, damit wir verkauft werden können.

Merken Sie nun, was Sie Ihrem Nächsten da überhaupt wünschen, wenn Sie diese Floskel aussprechen?

Merken Sie es?

Und dann wünschen Sie auch noch „einen guten“ Rutsch.

Ja! Rutsch rein, du…

Ich wünsche Ihnen den geilsten Sex Ihres Lebens, den besten Partner oder die beste Partnerin, den höchsten Genuss am Leben, viel mehr Kohle für viel weniger Stress und Arbeit und einfach nur Freude und Spaß an Ihrem eigenen Leben an dem Sie wachsen und sich selbst erfahren können, was wirklich alles in Ihnen steckt und was Sie wirklich mit sich selbst alles zu leisten im Stande sind.

Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.

Also hör mir auf mit „gutem Rutsch“ und so ein Palaver.

Vielleicht waren Sie nach den Festtagen schon wieder einmal einkaufen.

Wenn Sie nun durch Ihren Kaufmannsladen schlendern, Preise und Produkte vergleichen und doch nur wieder das Billigste für sich auswählen, werden Sie kurz vor der Kasse bestimmt auf die Armeen der Schoko Weihnachtsmänner aufmerksam werden.

Dort stehen Sie in Reih und Glied und buhlen darum, das man sie jetzt noch in den Einkaufskorb legt, damit man ihnen zu Hause genussvoll den Kopf abbeißt.

Alle nun zum halben Preis.

Schließlich ist der Stichtag vorbei und Weihnachtsmänner stellen nach den Feiertagen keinen großartigen Wert mehr dar.

Sie werden verramscht.

Deren Zeit ins abgelaufen und die Schokomänner warten nur darauf, dass sich irgendeiner ihrer noch erbarmt und sie ihrer Bestimmung zuführt.

So stehen sie da, wartend darauf, dass man sie nun für den halben Preis mitnimmt.

Unter Preis versucht Ihr Kaufmann die Weihnachtsmänner an den Kunden zu bringen.

Hauptsache er bekommt den Mist los.

Weg damit, das Lager muss leer werden. Es warten schon die Osterhasen im Depot.

Dieselbe Schokolade, nur mit anderer Verpackung und wieder mit dem höheren Preis, den einst auch die Weihnachtmänner hatten.

Direkt nach Ostern geht es wieder von Vorne los und den Osterhasen an den Kragen.

Sie buhlen wie ihre saisonalen Vorgänger mit absolutem Preisnachlass um die Gunst des Erwerbs.

Erfahrungsgemäß liegen die Osterhasen bis zum späten August noch im Ramschwühltisch vor der Kasse, bis die ersten Printen im Spätsommer als Vorhut und Späher der Konsumpflicht zum nahenden Weihnachtsfestterror blasen.

So sieht es aus.

Aber sagen Sie mal ganz ehrlich.

Erinnern Sie jetzt die Weihnachtsmänner zum halben Preis nicht an etwas?

Vielleicht an Sie selbst?

Da haben Sie sich fein gemacht für den Arbeitsmarkt und reihen sich in die Armada der Arbeitssuchenden ein und buhlen um die Gunst derer, die Sie auswählen und bereit sind Sie für den Preis, den man Ihnen aufgeklebt hat, mitzunehmen.

Wenn der Markt gesättigt ist können Sie noch so gut vorbereitet und qualifiziert sein, Sie werden allerdings nicht den Preis für sich erzielen können, den Sie eigentlich wert sind.

Ihr Stichtag ist auch abgelaufen und nun werden Sie verramscht. Sie Weihnachtsmann, Sie!

Sie dürfen sich nur an dem kleinen Glück erfreuen, dass Sie es schon bis vor die Kasse geschafft haben und sich zeigen dürfen.

Ihr Kaufmann hat noch genug von Ihrer Sorte auf Lager liegen und die müssen auch weg, weil er Platz für neue Ware braucht. Ihre Zeit ist abgelaufen. Mit Ihnen ist man fertig. Sie sind Überschuss, Sie Weihnachtsmann.

Da sind Sie doch nur froh, dass Ihr Kaufmann grade Ihre Palette auf der Sie stehen aus dem Lager gezogen hat und Sie vor den Bazahlschalter schiebt.

„Heute im Angebot! 50 % Rabatt auf Weihnachtsmänner.“

Die Anderen auf dem Lager hatten nicht so viel Glück. Die bleiben da stehen und verstauben vor sich hin.

Glauben Sie ja nicht, dass die Lagernikoläuse auf Erlösung und besser Zeiten hoffen können.

Die gehen nicht zurück an den Produzenten, damit er diese einschmilzt und aus ihnen wertvollere Osterhasen macht.

Die werden vernichtet!

Eiskalt vernichtet und dem Markt entzogen ohne jemals eine Chance gehabt zu haben, sich zu präsentieren.

Eine wirklich schöne Bescherung, nicht wahr?

Deswegen wünsche ich Ihnen keinen „guten Rutsch“.

Ich will Ihnen schließlich nichts Schlechtes.

Ich will, dass es Ihnen gut geht.

Aber Schokolade ist Schokolade werden Sie sagen.

Nein, Sie Glückskeksphilosoph!

Sie haben die falsche Verpackung. Sie sehen aus wie ein gewöhnlicher Weihnachtsmann oder ein herkömmlicher Osterhase.

Niemand schert sich um Ihr Innerstes, um das was in Ihnen steckt, wenn Sie nicht nachdem aussehen, was grade angesagt ist.

Sie sind nicht trendy, weil Sie uniform sind.

Sind Sie wie ein jeder, dann macht man mit Ihnen sowieso, was man will. Nur nicht das was Sie wollen.

Man hat Sie in diese Form gepresst. Man hat Ihnen vorgegeben, wie Sie sein sollen damit man mit Ihnen Kohle machen kann.

Und da stehen Sie nun, Sie Weihnachtsmann.

Unbemerkt auf dem Lager und warten nur noch darauf, dass Sie von einer Regalauffüllfachkraft auf den Laster geschoben werden, der Sie zur Lebensmittelverwertung fährt.

Und ohne dass Sie jemals jemandem zeigen konnten, was in Ihnen steckt.

So enden Weihnachtsmänner. Alle. In der Verwertung für Tierfutter zum Beispiel.

Da können Sie sich noch so mit der Lebenslüge trösten und sagen: „Na, wenigstens etwas.“

Aber das sind nicht Sie. Sie waren schließlich einmal ein Weihnachtsmann!

Sie waren doch mal etwas. Angesehen, mitten drin und bereit verkonsumiert zu werden.

Sie hatten doch mal Ziele, Wünsche und Hoffnungen. Was ist daraus geworden?

Ihre schöne Verpackung wird Ihnen nun zum Verhängnis.

Das System wird Sie eh verwerten. Egal was Sie mal waren und welchen Inhalt Sie hatten.

Es interessiert keinen wirklich, weil es egal ist. An Ihnen verdient man eh.

Ob nun als qualifizierter Weihnachtshase oder gut ausgebildeter Ostermann.

Oder als persönlichkeitsloses Bruchstück inmitten von Schrädderresten aufgekocht und zusammengemischt zu einer undefinierbaren Masse in einer Dose handelsüblichen Billig-Hundefutter.

Glücklich können sich da nur die schätzen, die; aus welchen Gründen auch immer; den direkten Weg gewählt haben.

Ein Hoch auf die, die keine Qualifizierung haben oder sich nicht haben in ein buntes, vorgeprägtes Kleidchen pressen lassen.

Denn ohne den mühevollen Umweg über Bildung und Qualifikation stehen Sie dem System und seinen Verwertungsbestrebungen als Humankapital schneller zur Verfügung, denn Zeit ist bekanntlich Geld.

Zeit ist Geld. Time is money. Cash, Cash, Crash.

Gestatten Sie mir bitte, dass ich das Sprichwort „Zeit ist Geld“ einmal kurz an dieser Stelle aufgreife.

Zeit ist Geld, so der Volksmund um das emsige Streben nach Konsum auf unserem Planeten zu rechtfertigen.

Nach diesem Spruch leben die Meisten, denn je kürzer die Produktzyklen, desto höher der Cashflow, der Umsatz, der Gewinn und so weiter.

Viel Umsatz, heißt viel Gewinn.

Viel Gewinn heißt dickes Konto.

Dickes Konto heißt Luxus und ein Leben ohne viel Sorgen und mit größerer Wunscherfüllungsmöglichkeit.

Ja, werden Sie sagen. Stimmt. Genau so. Auf, auf!

Schnell Geld verdienen und keine Zeit verlieren.

Zeit ist Geld. Ich erinnere Sie noch einmal daran.

Wir alle haben nur eine begrenzte Zeit auf diesem Planeten und gehen alle mit jedem Tag mehr unserer aller Bestimmung, dem allerletzten Vorhang entgegen. Ist so. Kannst Du machen nix.

Da können Sie gerne alles versuchen so lange jung und frisch auszusehen wie es nur geht.

Es hilft alles nichts. Irgendwann ist es vorbei.

Also. Zeit ist begrenzt.

Wenn nun Zeit begrenzt ist, dann…. hm…. raten Sie mal….

Jawoll! Geld ist auch nur begrenzt vorhanden.

Man kann aus keinem Topf mehr rausnehmen, als drin ist.

Das weiß ein jeder, der wenigstens im Ansatz über den Umgang mit den Grundrechenarten weiß.

Wenn alle, dann is alle. S0 isses.

Da stellt sich mir die Frage, was lehrt man an Unis und Wirtschaftsakademien für einen Mist?

Gelehrte als Wegbereiter weiterer Krisen, die Möglichkeiten erfinden und den Wirtschaftskreislauf mit Fiktionen schön rechnen.

Anderes Beispiel.

Gebrauchtwagenmarkt.

Mit Erwerb eines fabrikneuen Fahrzeugs ist sein kompletter Preis bezahlt.

Die Produktionsmittel sind bezahlt, die Rohstoffe, die Löhne, die Steuern, die Sozialversicherungsabgaben etc. .

Alles ist bezahlt und ausgeglichen.

Mit dem Erwerb wird das Vehikel sozusagen entwertet.

Der Preis dafür ist bezahlt.

Ja! Aber der Zeitwert! ….

Ich bitte Sie… bleiben Sie mal realistisch.

Mit Kauf eines Gebrauchtwagens bezahlen Sie wieder für ein Produkt, dass keinen Preis mehr hat.

Es ist schon bezahlt worden!

Um kurz mal ins Satirische abzuschweifen:

Gehen Sie mal ins Bordell, meine Herren und erklären Sie das mal einer Prostituierten.

„Ey Schatzi! Lass uns poppen für Umme oder bist Du noch jungfräulich????“

So, genug mit Spaß, weiter im Text.

Sie können es drehen wie Sie wollen.

All die Schönrechnerei bringt nichts.

Genauso wenig wie das ewige Gejammer ums Geld.

Wenn Sie wirklich Kohle machen wollen und die Veranlagung in sich tragen, dass Sie auch Ihre eigene Großmutter für Zaster verramschen würden, dann gehen Sie in die Textilbranche.

Werden Sie Unternehmer und machen Sie eine Schönfärberei auf.

Wenn Sie dann zufällig noch einen Optiker kennen. Glückwunsch. Ihre erste Fusion steht an.

Während Sie Ramsch anbiedern, kann Ihr Geschäftsfreund mit dem Verkaufsschlager „Die rosarote Brille für alle Dioptrienzahlen“ an den Kunden bringen.

Einfach nur mal so zum Sagen.

Abschließen möchte ich an dieser Stelle mit einer Anekdote, die Sie bestimmt alle kennen.

Dieser Spruch verdeutlicht unsere Lage.

„Sagt ein Banker zu einem Pfarrer: „Halt du sie dumm, ich mach sie arm!“

In diesem Sinne.

Bleiben Sie mir gewogen.

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