Archiv für Dezember, 2013

Meine sehr geehrten Damen bis Herren an den Empfängnisgeräten.
Der Countdown läuft, die Tage sind gezählt und in großen Schritten bewegen wir uns auf das Jahr 2014 zu.
Da haben wir uns gefragt, ob wir wirklich einen Jahresrückblick schreiben wollen. Wollen wir die Pleiten, Pech und Pannen der letzten 12 Monate noch einmal revue passieren lassen? Wollen wir uns daran wirklich noch einmal erinnern? An die Opfer, die unser Konsum auch in diesem Jahr wieder angerichtet hat? Kriege, Verfolgung, Ausgrenzung, Unterdrückung, Prostitution und Sanktionierung?
Und… dürfen wir überhaupt noch anstandslos Weihnachten feiern, ohne dass sich daran irgendeiner gestört fühlt? Wie weit ist der Verlust von traditionellen Wertvorstellungen fortgeschritten, wenn schon Überlegungen zum Brauchtumsfest wie „Sankt Martin“ geäußert werden, um es in „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ umzubenennen, damit sich kein Mensch mehr daran gestört fühlen muss.
Geht es dabei wohl eher nicht um die Berührung zu anderen Glaubensrichtungen, sondern darum, dass dieser besagte Sankt Martin seinen wärmenden Wintermantel im seinem Schwert teilte und die eine Hälfte einem frierenden Bettler gab.
In einer eher wirtschaftlich orientierten Gesellschaft darf es das auch nicht mehr geben, denn wo kommen wir dahin, wenn man an Abtrünnige des Imperiums, die sich um die vom System ausgegrenzten Menschen kümmern, gedenkt. Pfui. Das passt doch nicht mehr in die moderne Leidkultur, wo wir die Menschen mit Füßen treten, denen man ihre Lebensperspektiven nimmt, sie ausbeutet und anschließend auch noch sanktioniert oder im schlimmsten Fall umbringt. Es ist doch nicht mehr politisch korrekt, Wohltätern zu gedenken und für sie auch noch einen Arbeitstag zu opfern.
Arbeitstage opfern? In einer Welt, die nur noch der krümelige Kitt des Konsums zusammenhält? In einer Welt, in der man manchmal noch von sogenannten Arbeitgebern ausreichend Geld für geleistete Arbeit bekommt, dass man dann wieder für den Konsum deren Produkte und Waren wieder aus dem Fenster werfen soll. Da sind doch politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Krisen schnell vergessen, wenn man mit der Angst leben muss, dass die billige Chinascheiße mit der man seine Liebsten zum Fest überraschen will, nicht rechtzeitig von Amazon geliefert werden könnte. Herrje. Amazon. Großer Humanist und Heiler.
Wir sind eine Wirtschaftsnation, da haben Gefühlsduseleien keine Bedeutung mehr, geht es schließlich nur noch darum, ob man etwas und wenn ja, von wem und wie teuer, geschenkt bekommt. Und wehe…. Wehe die Mutter gibt sich bei der Zubereitung des Festtagsbratens nicht dieselbe Mühe, die sie sich in einer der unzähligen TV Kochshows geben würde. Wehe! Und wehe! Wehe, die Mami steht nach den Kochbemühungen nicht wie aus dem Ei gepellt in ihren von flinken Kinderfingern zusammen genähten Zalando oder Kik Klamotten, die Sie sich schon Wochen vorher im Netz bestellt hat.
Und wehe! Wehe, es macht einer bei diesem kollektiven Wahnsinn nicht mit.
Der ist entweder einer von diesen arbeitsfaulen, asozialen Hartz vierer, Kommunist oder rumänisches Weihnachtsmarkt Taschendieb-Klaukid.
Arme Säue halt, mit denen man eh nichts zu tun haben will.
Bloß nicht die Augen öffnen und stur in seiner eigenen Blase bleiben, denn wenn man es einmal tut, kann man seine Augen vor diesem Desaster nicht mehr verschließen und die ganze gespielte und aufgesetzte Glückseligkeit ist für’n Arsch. Verdammt noch mal, reißen Sie sich zusammen. Es sind doch nur drei Tage, an denen man so tun muss als ob. Nach dem Fest kann man dann wieder zum Tagesgeschäft übergehen. Das wird einem doch auch in diesem Jahr wieder gelingen, oder? Glühweinmorphiert und zuckergepuscht kann man es doch so grade noch aushalten.
Hauptsache der Handel freut sich über die angeblich gute Stimmung des Konsumviehs!
Heute, 2013 Jahre und 32 Millionen Limburger Euros später würde der, dem diese Festtage eigentlich gelten, bestimmt nicht mehr nur die Peitsche nehmen und die Händler und Pharisäer aus den Tempeln treiben, er würde einen Pilotenschein machen!
Also! Halten Sie durch, es sind schließlich nur drei Tage der Nächstenliebe, des sozialen Miteinanders, der Güte und der Besinnung.
Drei Tage nur! Nicht auszudenken, wenn es andersrum wäre. Wenn man 362 Tage lang sozusagen Weihnachten feiern würde und nur einmal im Jahr drei Tage Zeit hätte, sich gegenseitig das Leben zur Hölle zu machen.
Halten Sie durch, es ist bald geschafft. Aus diesem Grund wünschen wir auch nur unseren Familien, Freunden, Fans und Leser eine friedliche, besinnliche Zeit. Möge denen, die für diese Zustände auf diesem Planeten verantwortlich sind, die genmanipulierte und zwangsgemästete Festtagsgans im Halse stecken bleiben. Dem Rest wünschen wir nur das Beste in aller Liebe und sozialer Verantwortung.
Bleiben Sie uns gewogen.