Selbstkontrolle und Selbstzensur – DDR 2.0 mal anders

Veröffentlicht: Dezember 29, 2015 in aktuelle Themen
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Meine sehr geehrten Damen bis Herren an den Empfängnisgeräten dieser brennenden Welt.
Auch diese Woche haben wir wieder alle Kosten und Mühen gescheut und dem Volk und seinen Organen aufs Maul geschaut. Wir schreiben es, damit Sie es nicht denken müssen.
Schön geht anders. Doch lesen Sie selbst.

(Kann Spuren von Wahrheit und literarischem Diabolismus enthalten. Also nix für Menschen mit einer Verumsintoleranz und einer Allergie gegen ganz schwarzen Sardonismus.)

Willkommen in der schönen neuen Welt der Rechte. Oder anders gesagt: Unsere Gesetzgeber waren gründlich; der skurrile Wettlauf mit China und Nordkorea um die erfolgreichsten Maßnahmen zur „freiwilligen“ Selbstzensur hat begonnen und wir sind jetzt mittendrin. Ja, Freunde der gepflegten Unterhaltung. Lasst uns das Internet noch genießen, bevor es ein menschenleerer Ort wird und jeder sein Profil aus dem Netz entfernt hat. Lasst uns schreiben und austauschen, denn nichts stört den Kapitalisten mehr, als Wissen umsonst zu verbreiten. Das darf nicht so weiter gehen, wenn sich der Bürger ungestraft bilden und informieren kann. So geht das nicht. Wir sind den „Oberen“ schon lange ein Dorn im Auge. Doch nun zu der Mail meiner Ex:

Gestern habe ich eine Mail von meiner ehemaligen Freundin erhalten. Hier der Wortlaut:

Lieber Jan*,

im Zusammenhang mit meinen regelmäßigen Aufräum- und Sortieraktionen habe ich unsere Urlaubsvideos und – bilder nochmal angeschaut. Teils wehmütig!!
Die etwas intimeren (also leicht bis gar nicht bekleideten und Videos in dem Stil – auch deinen super Strip) habe ich gelöscht und möchte dich bitten, dies auch zu tun.

Ich wünsche dir, dass es dir gut geht
bis zum nächsten Jahr
herzliche Grüße
Jessica*

(*Namen von der Redaktion geändert; der Mailtext ist original!)

olymp

Ihr könnt Euch denken, wie begeistert ich war. Jessica nimmt die Dinge leider sehr genau. Mir war sofort klar, dass Sie sich auf ein neues Urteil des Bundesgerichtshofs bezieht (Aktenzeichen VI ZR 271/14, Link s. u.).

Bisher hatten sich die permanenten gesetzlichen Verschärfungen von Urheber- und Persönlichkeitsrechten auf mein Leben noch nicht ausgewirkt. Seit gestern ist das leider anders.

Ich habe mich abends noch an meinen Rechner gesetzt und ca. zwei Stunden sämtliche Fotos von Jessica und mir gesichtet und konsequent alle Bilder gelöscht, auf denen Sie am Strand im Bikini, „oben ohne“ oder auch nackt zu sehen war. Gleiches galt für alle Videos.

Insgesamt handelte es sich dabei um 16 Fotos, davon ein Nacktfoto und vier kleine Videoschnipsel von Jessica beim Schwimmen und am Strand. Übrig geblieben ist eine Bildersammlung, die ich mir so gar nicht mehr ansehen möchte. Die beiden Fotoserien von unseren gemeinsamen Urlauben sehen jetzt so aus, als wäre ich mit einer guten Bekannten ein paar Tage verreist.

Ich muss sagen, dass ich mich selten so beschissen gefühlt habe, wie bei dieser Löscharbeit. Zum einen hatte ich überhaupt keine Lust, mir aktuell die Bilder meiner zurückliegenden Beziehung anzusehen und zum anderen hatte ich noch weniger das Bedürfnis, wesentliche schöne Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit zu löschen.

Die Bilder sind jetzt vernichtet und mein Land, Deutschland, hat mich damit um meine Erinnerungen betrogen; Erinnerungen, die ich mir sehr gerne im Alter noch einmal wehmütig angesehen hätte, um mich an eine schöne Zeit mit Jessica zurückerinnern und mich daran zu erfreuen, wie jung und schön wir waren.

Ich bin richtig bedient. Selten habe ich mich so über meine Regierung geärgert. Nie bin ich in meiner persönlichen Freiheit so eingeschränkt worden. Jetzt also ist es also soweit, dass die Regierung bis in meine intimsten Bereiche vorgedrungen ist. Das ist Krieg gegen mich. Das ist für mich, der ich in Westdeutschland geboren bin, eine vollkommen neue Situation. Das ist eine Form von Zensur, die ich bisher nicht kannte und die meinem Verständnis von persönlicher Freiheit vollständig entgegen steht.

Jetzt werden einige sagen, dass der Staat ja handeln musste, da gelegentlich die intimen Fotos von Exbeziehungen auf irgendwelchen Internetportalen landen. Blödsinn! Die Idioten, die so einen Mist machen, werden sich auch künftig nicht durch Gesetze aufhalten lassen. Ich als normaler Bürger bin betroffen. Ich soll keine Nacktfotos oder Fotos in Unterwäsche oder im Bikini, Badeanzug u. ä. von meiner Frau oder Freundin im meinem Besitz haben. Der Staat hat entschieden, dass ich dazu kein Recht habe. Das ist staatlicher Fundamentalismus, das ist staatlicher Gesinnungsterror gegen mich wie man ihn sonst nur aus autoritären Regimen oder von religiösen Fanatikern kennt. Kurz gesagt: Das ist unerträglich!

Hitlers Hoden

Hitlers fehlender Hoden aufgetaucht. Höcke?

Dieses Urteil wird auch erhebliche Auswirkungen auf die Internetbranche haben. Insbesondere Fotodienste wie Instagram und Co. werden gut beraten sein, keine Personen mehr abzubilden, ohne das vertraglich geklärt ist, ob das auch von der abgebildeten Person erlaubt wurde. Für Abmahnanwälte tut sich ein weiteres Geschäftsfeld auf. Gleiches gilt für verschmähte Expartner, die sich jetzt noch eimal richtig rächen können. Und was ist mit den eigenen Urlaubsbildern mit der Freundin/mit dem Freund am Strand, die auf Facebook eingestellt werden. Wenn der Urlaubsflirt zu Ende ist, droht ein teurer Rechtsstreit, der schlimmstenfalls im Gefängnis enden kann. Danke, liebe Politiker, danke!

Der Staat kann immer weniger Probleme lösen aber gängelt seine Bürger wo er nur kann. Soll das unsere Zukunft sein?! Ich fürchte es wird weiter so gehen und noch schlimmer werden.

Das Urteil des Bundesgerichtshofs

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&Sort=12288&nr=73173&pos=14&anz=586

Wenn man erkennt, dass aus der Demokratie Faschismus wird, ist Widerstand die oberste Bürgerpflicht!

Bleiben Sie am Leben.
Und uns gewogen.
Lesen Sie nächste Woche, wenn wir noch nicht atomisiert worden sind etwas anderes aus Politik, Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft.
Bleibt uns nur die Hoffnung, die bekanntlich zuletzt stirbt.
Wenn euch unsere Arbeit gefällt… Wir sagen jetzt schon mal Danke.

Hier der Link zu unserem Support: http://wp.me/p2KG6k-eA

Unser Dank für das ausgezeichnete Bildmaterial geht an:
http://www.toonsup.com/egon
Ohauerha
AfK

Linkliste:

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&Sort=12288&nr=73173&pos=14&anz=586

 

https://deutsch.rt.com/inland/36123-32c3-chaos-computer-club-attackiert/

 

 

 

 

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